Wilhelm Kick (Hrsg.): Moderne Neubauten, 2. Jahrgang, Stuttgarter Architektur-Verlag Kick, Stuttgart 1898.
Interessengemeinschaft Guaita-Park Bebauungsplan
Mehr als 120 Jahre Guaita-Park Kronberg im Taunus 

 

Villa mit Park auf 120.000 Quadratmetern

 

1893 entwarfen die Frankfurter Architekten Ludwig von Nehler und Aage von Kauffmann für den Frankfurter Stadtverordneten und Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer Georg Clemens Philipp Maximilian von Guaita und seine Frau Henriette Sophie von Guaita die nach ihnen benannte Villa Guaita, damals noch auf einer zwölf Hektar großen Parkfläche. Der Sommersitz wurde in einem eklektischen Stilmix des Historismus erbaut, Architekturstile mehrerer Epochen in einem Bauwerk. Das Gebäude und der Park waren nach Schloss Friedrichshof eines der größten in Kronberg.

 

Das Grundstück grenzte unmittelbar an den Park der Kaiserin Friedich mit dem Schloss Friedrichshof. Zwischen der Kaufmannsfamilie und der Kaiserin bestand ein sehr persönlicher Kontakt, mit gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Ausflügen. Frau von Guaita war Malerin und große Kunstmäzenin mit besten Beziehungen zur Kronberger Malerkolonie.

 

Der Landschaftsgarten wurde von Franz Heinrich Siesmayer angelegt, der auch den Palmengarten in Frankfurt am Main, den Kronberger Schlosspark oder den Kurpark in Bad Nauheim gestaltete. Siesmayer ließ - im Sinne der Zeit - Garten und Landschaft ineinander übergehen. So wurden viele exotische Bäume und Sträucher in die Parklandschaft integriert. Es gab große gepflegte Wiesen, aber auch Wald. Noch heute sind auf dem Gelände besondere Baumarten (z.B. Nordmanntanne, Zeder) zu bewundern.

 

Kaiserin Friedrich verstarb 1901, Max von Guaita 1903 und seine Frau 1909.

 

Teilung des Grundstücks und Abriss der Guaita-Villa

 

1936 wurde das Guaita-Gelände in zwei Grundstücke aufgeteilt. In der Villa Guaita wurden ab 1940 Ausgebombte beherbergt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente sie als Wohnheim für Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten und anschließend als Schulgebäude. 1961 wurde sie abgerissen, das sie umgebende Gelände parzelliert. Es entstand ein großes Baugebiet, die Aufteilung der Grundstücke ist noch heute bis auf wenige Ausnahmen aktuell. Viele Häuser sind noch aus den Anfängen der 60er Jahre vorhanden. Einzelne Nebengebäude der Villa Guaita und das Teehäuschen, stehen noch heute in der Guaitastraße bzw. Am Aufstieg. Zwischen 1983 und 1991 wurde der Bebauungsplan Nr. 120 "Guaitapark" aufgestellt und im Dezember 1991 rechtskräftig. Das Wohngebiet wird begrenzt durch die Viktoriastraße, die Merianstraße, Kreuzenäckerweg, Königsteiner Straße, Am Aufstieg und die Bundesstraße B455.

 

Neubau der sog. Abs-Villa auf dem restlichen Grundstück

 

Den anderen, 7,5 Hektar großen, Teil des Grundstück hatte 1936 Fritz ter Mer, Vorstandsmitglied der I.G. Farben AG, erworben, wo für ihn nach einem Entwurf der Stuttgarter Architekten Paul Bonatz und Kurt Dübbers eine Villa mit Parklandschaft erschaffen wurde.

 

1953 wurden das Anwesen und die Immobilie an die Hessische-Immobilien-Verwaltungs-GmbH, eine Tochter der Süddeutschen Bank verkauft, von der Hermann Josef Abs, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, es zunächst mietete und 1956/57 erwarb. Er wohnte dort bis zu seinem Tod 1994. Die sog. Sachgesamtheit Villa ter Meer ist somit seit 1961 das letzte große zusammenhängende Parkgrundstück und ein in der Denkmalliste ausgewiesenes Kulturdenkmal auf dem Gebiet der Stadt Kronberg. Es wurde fortan in der Öffentlichkeit Guaita-Park genannt.

 

1953 bis 1994 gab es erhebliche Neupflanzungen und Pflegearbeiten im Park. So wurde z.B. der Winkelbach renaturiert.

 

1994 bis 2001 stand das Gebäude, "die Abs-Villa", leer. Haus und Parkflächen blieben während dieser Zeit ungepflegt.

 

2001 erwarb das Gelände die Familie Richard und Martina Leitermann, die dort noch wohnt.

 

2015 hat die Real Estate GmbH Immobiliengesellschaft das Grundstück im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben. Ob sie die Sicherung der Parklandschaft im Sinne eines intakten Naturhaushaltes weiter erhalten wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. 

 

Fest steht, dass die Villa und der Park ein kultur- und gartenkunsthistorischer Lebensraum sind.

 

Noch heute ist auch im gesamten Guaita-Park Wohngebiet der parkähnliche Zustand erkennbar. Besonders im ehemaligen ter Meer/Abs-Grundstück mit seiner Parkanlage befinden sich wunderschöne und wertvolle Bäume und Sträucher. Aber auch in der Viktoriastraße, Königsteinerstraße, Kreuzenäckerweg, Guaitastraße usw. findet man ebenfalls historische Bäume, viele Hausbesitzer achten sehr auf die Erhaltung eines parkartigen Gartens. Der Guaita-Park ist ein großer gewachsener Freiraum für Pflanzen und Tiere.

 

Im Guaita-Park wohnen viele Familien mit Kindern, aber auch ältere Personen, die das Wohngebiet sehr schätzen. Es gibt gute nachbarschaftliche Beziehungen und Freundschaften.

Interessengemeinschaft Guaita-Park Bebauungsplan