Zum Teil ist das auch gelungen. Mit großem Unverständnis nimmt die IG Guaita-Park die durch die Stadt Kronberg erteilte Fällgenehmigung für 35 Bäume und den Rückschnitt von 10 Habitatbäumen zur Kenntnis.  Dieser Umfang scheint weit über „Pflegearbeiten“ hinauszugehen. Generell ist die Argumentation der Real  Estate GmbH, auf dem Gelände seien 15 Jahre lang keine Baumpflegemaßnahmen mehr durchgeführt worden, unglaubwürdig. Dies deshalb, weil sie den für die Grundstückspflege bereits von Herrn Abs angestellten Verantwortlichen offenbar problemlos übernommen hat und ihn nun ihrerseits mit der „Pflege“ betraut. Wenn dieser Gärtner jahrelang seinen Aufgaben nicht nachkam, erscheint es doch merkwürdig, dass er der Real  Estate GmbH nun als geeignet für diese Aufgaben erscheint. Die früheren Bitten der Vorbesitzer, einige genau dieser Bäume (wie z.B. die Scheinzypressen am Rittersaal) zu fällen, hat er mehrfach abgelehnt mit der Begründung, dafür bekäme man keine Fällgenehmigung. Dagegen liegt die Vermutung nahe, dass er eingestellt worden ist, weil er das Gelände hervorragend kennt und genau weiß, an welchen Stellen im Park welche Bäume gefällt und welche Tiere vertrieben werden müssen, um einer späteren Bebauung nicht im Weg zu stehen. Eine geschützte Ringelnatter ist den „Pflegearbeiten“ im Dezember bereits „zufällig“ zum Opfer gefallen (s. Foto).

 

Die Absichten der Real  Estate GmbH und ihres Besitzers Perlick wurden vielmehr in einem Zeitungsgespräch mit ihm im Dezember 2014 deutlich. Dort führte er aus, der „nördliche Teil“ werde „nicht bebaut“, was jedoch bedeuten kann, dass der westliche (=Zugang über Königsteiner Straße) der mittlere (=Zugang über Kreuzenäckerweg bzw. Guaitastraße) und  der südliche Teil (=Zugang über Am Winkelbach) offenbar zur Disposition stehen. Diese Flächen entsprechen dem durch die IG öffentlich gemachten Plan der vorherigen Investorengruppe zur Veränderung des Bebauungsplans (B-Plan Nr. 120 Guaita-Park). Auch in diesem bleiben Villa und nördlicher Teil unberührt, während in den westlichen, südlichen und östlichen Randbereichen Neubebauung, zum Teil mit Appartementblocks, vorgesehen ist. Die Behauptung, er habe den Plan vorher nicht gekannt und von ihm erst durch die IG Guaita-Park erfahren, ist wenig glaubwürdig. Erstens hat die IG ihm den Plan nicht geschickt. Zweitens war dem bereits erwähnten langjährigen Mitarbeiter der Vorbesitzer der Plan sicherlich im Detail bekannt. Übrigens kann auch dies ein weiterer offensichtlicher Grund für seine Anstellung bei der Real  Estate GmbH gewesen sein.

Auch das Angebot der Real  Estate GmbH, das Gelände entlang des Winkelbachs öffentlich zugänglich zu machen, entstammt dem Plan der vorherigen Investorengruppe. Damit wollte man die Zustimmung zur Bebauung positiv beeinflussen. Dieses großzügige „Geschenk“ hat vor dem Hintergrund der Bauabsichten, für die die Zustimmung der Stadtverordneten benötigt wird, einen schalen Beigeschmack.

Der Part des Ersten Stadtrats Odszuck in diesem Vorhaben besteht darin, die notwendigen Genehmigungen zu beschaffen (siehe z.B. Fällgenehmigungen), das Thema politisch voranzutreiben und die Bevölkerung ruhig zu halten. So weisen Herrn Odszucks Ausführungen in diversen Presseartikeln „Wenn wir uns mit dem Thema Innenentwicklung beschäftigen, werden wir uns sicherlich eine Meinung auch zum Gelände der Abs-Villa bilden." Und konkreter „Wenn es um Nachverdichtungspotenzial und Wohnungsbau geht, kann und muss man auch über diese Flächen reden“ klar darauf hin, dass eine Bebauung vorgesehen ist. Seine weitere Aufgabe ist es offenbar, auch gegen die IG Guaita-Park Stimmung zu machen. Diese bestehe, so polemisierte Stadtrat Odszuck in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Umwelt am 03.02.2015 „nur aus einer Person, die Wind macht“ und alle umliegenden Nachbarn seien ja „ganz froh, jetzt so viel Feuerholz zu bekommen.“ Die IG-Guaita-Park besteht aus mehr als 40 Mitgliedern und vertritt bereits jetzt die Mehrheit der direkten Anliegerhaushalte.

Wieso muss man sich zum Guaita-Park überhaupt erst „eine Meinung bilden“? Es ist seit Jahrzehnten eine unstrittige gemeinsame Position der Kronberger Politik über alle Parteien hinweg, dass die drei großen Parklandschaften der Stadt – Viktoria-Park, Schloss-Park und Guaita-Park – als Biotope und den Charakter Kronbergs prägend erhalten bleiben. Definiert das der Erste Stadtrat im Alleingang nun neu und treibt die Parteien vor sich her?

Während aber die Kronberger Politik vom Ersten Stadtrat noch im Glauben gelassen wird, viel Zeit zu haben – so hat er in der oben genannten ASU-Sitzung dafür plädiert, die geplante Begehung im April/Mai vorzunehmen, wenn nämlich alle Spuren der umfassenden Fällaktion beseitigt sind – schafft die Real Estate GmbH in großer Eile Fakten. So werden am heutigen Donnerstag (5.2.15) erneut in großem Umfang Bäume, darunter mehrere Esskastanien, den „Pflegemaßnahmen“ zum Opfer fallen.  Wenn die Kronberger Politik nicht aufpasst und die Angaben des Ersten Stadtrats kritisch prüft, sind sämtliche Bäume und Tiere, die einer Bebauung im Wege stehen würden, auf der Liegenschaft beseitigt. Es besteht also rascher Handlungsbedarf! Denn Odszucks Plan ist klar: Er will die Umwidmung der Liegenschaft im neuen Stadtentwicklungskonzept einpacken und es so im Gesamtpaket versteckt mitbeschließen lassen.


Auch die von der Real  Estate GmbH aufgeführten „intensiven Gespräche und Abstimmungen“ mit den Ämtern und Behörden können so intensiv nicht gewesen sein. Sie beschränken sich auf zwei Begehungen im Dezember 2014 und Januar 2015. Nachfragen der IG Guaita-Park bei der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde sowie beim Landesamt für Denkmalschutz ergaben, dass die Behörden eher grob und keineswegs über die Details der „Pflegearbeiten“ informiert sind. So sieht sich z.B. die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt des Hochtaunuskreises seit Wochen außerstande, Nachfragen zu einem Schreiben der Behörde an die IG zu beantworten.  

Zur Beruhigung der IG trägt auch nicht bei, dass die Real  Estate GmbH nun eigene „Experten“ einsetzt, um entsprechende Gutachten zu Fauna und Flora zu erstellen. Ohne diesen Spezialisten zu nahe treten zu wollen - glaubwürdiger wäre es, wenn unabhängige Experten von der Stadt Kronberg selbst mit der Kartierung und einer Begutachtung von Flora und Fauna beauftragt würden.

Die Interessengemeinschaft lässt sich jedenfalls durch die Aktionen des Real  Estate GmbH nicht täuschen und bleibt wachsam. Sie wird weiterhin alle erforderlichen Mittel ergreifen, um die Zerstörung von Flora und Fauna des Guaita-Parks nicht nur im „nördlichen“ Teil der genannten Liegenschaft, sondern im gesamten Bereich des Bebauungsplans 120 „Guaitapark“ zu verhindern.    
 

IG Guaita-Park: Die Parklandschaft von Kronberg - Real Estate und 1. Stadtrat definieren sie im Alleingang um

 

Pressemitteilung, 4. Februar 2015

 

Öffentliche Behauptungen der Real Estate GmbH nicht glaubwürdig

 

Die Interessengemeinschaft Guaita-Park nimmt die in den letzten Wochen getätigten Aussagen der Real  Estate GmbH zur Zukunft des Guaita-Parks mit Skepsis zur Kenntnis. Offenbar soll hier zunächst einmal durch Verharmlosung der Absichten versucht werden, Anwohner, Umwelt- und Denkmalbehörden, Politik und die weitere Öffentlichkeit zu desensibilisieren, um das für die Investorengruppe und den Ersten Stadtrat unangenehme Thema aus der öffentlichen Diskussion zu bringen.